St. Maria im Kapitol

St. Maria im Kapitol  -  Baugeschichte

 

 

 

Der salische Neubau

1040-1065

Der salische Neubau erfolgt unter der aus dem ottonischen Herrscherhaus stammenden Äbtissin Ida (1015-1060, reg. 1027-1060), einer Tochter des Pfalzgrafen Ezzo und der Mathilde, Enkelin Kaiser Ottos II. und der Theophanu. Idas Bruder Heriman (oder Hermann) bekleidet von 1036-1056 das Amt des Erzbischofs von Köln, fünf ihrer Schwestern sind Äbtissinnen in Nivelles (Adelheid), Neuss (Helwyga), Dietkirchen bei Bonn und Vilich (Mathilde), Essen, Gerresheim (Theophanu) und Gandersheim (Sophia)

 

Die Marienkirche entsteht in fortlaufendem Bauprozess nach einheitlichem Plan, wobei die römischen Fundamente und - zumindest im Westen - die ottonisch-brunonischen Mauern die neue Anlage in ihren Achsenbezügen und ihrer seitlichen Ausdehnung weiter bestimmen. Im Osten greift der Kirchenbau über die Fundamente des römischen Tempels hinaus.

1049 wird der Kreuzaltar durch den mit dem ottonischen Herrscherhaus verschwägerten Papst Leo IX. (1049-1054) in Anwesenheit zahlreicher Bischöfe (angeblich 72) geweiht; 1065 nimmt Erzbischof Anno II. (1056-1075) die Schlussweihe vor.

Grundriss des salischen Gründungsbaus.

Ein dreischiffiges, basilikales Langhaus mit dreitürmigem Westbau ist mit einer um eine quadratische Vierung gruppierten, gleichfalls basilikal gestuften Dreikonchenanlage im Osten verbunden. Unter der Dreikonchenanlage erstreckt sich eine Hallenkrypta mit seitlichen Annexen in Langhausbreite.

Aufriss und Längsschnitt des salischen Gründungsbaus, nach Hugo Rahtgens
Krypta nach Osten, Foto 1989

Die kreuzgratgewölbten Seitenschiffe des Langhauses gehen nahtlos in die Umgänge der Konchen über. In den östlichen Zwickeln der Dreikonchenanlage befindet sich auf jeder Seite eine niedrige, kreuzgratgewölbte Kapelle. Das Langhaus, die quadratische Vierung und die sich an diese anschließenden Zwischenjoche im Süden, Norden und Osten waren ursprünglich flach gedeckt, die Halbkreiskonchen und ihre Vorjoche hingegen von Anfang an gewölbt.Die Gliederung der Konchenräume besteht aus jeweils sieben Arkaden auf sechs schlanken Voll- und zwei Halbsäulen mit quadratischen Plinthen, attischen Basen, Würfelkapitellen und profilierten Kämpferplatten. Über einem durchlaufenden Gesims befinden sich jeweils drei Rundbogenfenster in jeder Konche.Die Wandgliederung des Langhauses besteht im Mittelschiff aus jeweils sieben rundbogigen Scheidarkaden auf längsrechteckigen Pfeilern mit axial darüber angeordneten Rundbogenfenstern. Den sechs breiten Freipfeilern der Arkaden sind zu den Seitenschiffen hin Halbsäulen mit Würfelkapitellen vorlegt, die zusammen mit den gleichartigen Vorlagen der Seitenschiffs-Außenwände die Gurtbögen der fast quadratischen Kreuzgratgewölbe tragen.

Südliches Seitenschiff nach Westen, vor der Westwand steht heute die romanische Bildertür,

Der weit nach Westen vorspringende, etwas schmaler als das Mittelschiff angelegte Mittelbau des zuletzt errichteten dreiteiligen Westbaus öffnet sich mit seinen beiden (ursprünglich flach gedeckten) Geschossen über eine dreizonige Arkadenstellung zum Mittelschiff. Im Erdgeschoß (westliche Eingangshalle) wird eine dreiteilige Bogenstellung auf zwei Säulen mit Postamenten, Basen und Würfelkapitellen von einem Blendbogen mit Kämpfern überfangen. Die leicht gestelzte Rundbogenöffnung der Empore über einem profilierten unteren Gesims ist zweigeteilt und weist als Kapitelle ottonische Varianten des korinthischen Kapitelltyps auf: Eine untere Zone aus drei Arkaden über zwei Voll- und zwei Halbsäulen mit Kämpferblöcken wird von einem profilierten Gesims abgeschlossen. Darüber sind zwei kleinere Säulen mit abgeschrägten Kämpfersteinen in den Hauptbogen eingestellt.

Ansicht der Westempore, Foto 1991

Das Arkadengitter zitiert die Aachener Pfalzkapelle. Die Empore erreicht man über die beiden seitlichen Treppentürme in der Flucht der Seitenschiffe. In der Westecke der Nordwand des Mittelbaus dient ein einfaches Portal als Zugangsmöglickeit aus dem Obergeschoss der Konventsgebäude, die sich im Westen um den tiefergelegenen Kreuzgang erstrecken (Um die Mitte des 12. Jahrhunderts wird dieser Eingang in die Nordecke der Westwand verlegt.).

Weitere Eingänge zur Kirche (Rechteckportale in Rundbogenblenden) befinden sich im Scheitel der Nord- und der Südkonche; ersterer wird durch die noch heute erhaltene romanischen Bildertür sowie eine noch im 11. Jahrhundert errichtete Vorhalle als der eigentliche Hauptzugang ausgewiesen.

 

Der Außenbau des 11. Jahrhunderts kann teilweise nur hypothetisch rekonstruiert werden. Unsicher ist, ob ein Vierungsturm vorhanden war. Im Westen nimmt man einen zweigeschossigen Mittelbau mit Flankentürmen an. Rekonstruiert werden Satteldächer gleicher Trauf- und Firsthöhe über dem Mittelschiff des Langhauses und den Zwischenjochen um die Vierung, niedrigere Sattel- und Halbkegeldächer über den gewölbten Konchenräumen, Pultdächer über den Seitenschiffen des Langhauses und Ringpultdächer über den Umgängen im Osten, wobei diese niedriger ansetzten als über den Seitenschiffen und auch die Dachneigung geringer war. Die Wandgliederung der Seitenschiffe zeigte oberhalb des umlaufenden Sockels Rundbogenfenster in Blendbogenumrahmung; der Obergaden des Langhauses ist noch heute völlig gliederungslos. Die Konchenumgänge besitzen von Pilastern mit Kelchkapitellen gerahmte Fensterfelder, zwischen denen sich Wandpartien befinden, denen jeweils eine schlanke Halbsäule mit Würfelkapitell vorgeblendet ist. Die Wandzone der Umgänge wird von einem Karniesgesims auf Konsolen abgeschlossen. Der Obergaden der Dreikonchenanlage war ursprünglich wahrscheinlich nahezu gliederungslos.

 

 

 

St. Maria im Kapitol von Nordosten

Öffnungszeiten

 

Mo. - Sa.: 10.00-18.00 Uhr

So.: 13 - 18 Uhr

 

Führungen nur nach Absprache mit dem Pfarramt

 

Kasinostrasse 6

50676 Köln

Tel.: (0)221 - 214615

Fax: (0)221 - 2403432

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